Workshop 2012-IV

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findet statt von 13.30-15:00 Uhr in Raum 121

Thema

Zeit- und Projektmanagement im Forschungsprozess

Leitung

Karsten Schuldt – Website

Abstract

Forschen ist eine grossartig einsame Tätigkeit. An Schreibtischen in Büros, die erleuchtet sind, wenn der Rest der Welt schläft, sitzen und lesen; im Arbeitszimmer Texte vor sich hin tippen, während alle Mitbewohnerinnen und Mitbewohner die Wohnung verlassen haben; im Café die Pärchen ignorieren und Skizzen zeichnen; auf dem Bahnhof nachdenken, während der Zug eintrifft: Selbstbestimmt, zeitlos. Fertig sein, wenn man die Antworten auf die Fragen gefunden hat, wenn der Algorithmus läuft, das Buch fertig ist. Und niemand redet rein. Ein grossartiges Bild. Ehrlich gesagt auch eines, in das ich gerne selber verfalle.

Aber: Wer forscht, kann nur selten so forschen. Insbesondere, wenn es um Projekte geht, die irgendwer finanziert – die Bibliothek, eine Stiftung, die DFG, der SNF, die EU –, wenn es Auftraggeber gibt und die Deadlines drücken, geht dieses einsame Forschen, dass sich nur am Thema orientiert, nicht mehr. Und kaum ein Forschungsprojekt wird heute noch alleine durchgeführt. Mal sind es vier Leute, mal mehrere Dutzend Arbeitsgruppen; aber selten ist man wirklich so alleine für sich verantwortlich.

Das führt dazu, dass Forschung, auch in der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, heute zu einem grossen Teil Managementaufgabe ist. Deadlines einhalten, sich koordinieren, Teilprojekte planen und einfordern. Oft ist das ein ärgerlicher Teil der Forschung, weil teilweise der Inhalt hinter das Managen zurücktritt. (Bekanntlich geht das so weit, dass bei grossen Projekten Leute angestellt werden, die mit der Forschung selber nichts zu tun haben, sondern nur mit der Organisation.)

Im Workshop IV der LIBREAS. Verein Summer School 2012 am 18. August wollen wir dieses Thema bearbeiten. Wie planen und managen wir Forschungsprozesse, sowohl einsame als auch solche in Partnerschaft? Und zwar am Besten so, dass sie uns möglichst viel Platz und Zeit für das eigentlich Interessante an der Forschung schaffen? Thema werden auch die ganzen Fallstricke sein: Wie mit den Krisen umgehen, wenn Mitarbeitende abspringen, Deadlines überzogen werden, Auftraggeber kurz vor Ende des Projektes feststellen, dass sie was ganz anderes haben wollen? Wie mit zu viel Zeit umgehen?

Wie gesagt: Das ist der eher unspannende Teil an jeder Forschung, aber leider ein notwendiger. Wir sind halt alle keine Gentlemen des frühen 20. Jahrhunderts, die das Geld und die Zeit haben, uns in kleinen französischen Städtchen in den Nachlass eines vergessenen Diplomaten zu vergraben.

 

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